Die größten Trends der Digitalisierung

Bernd Völcker im Fokus

Bernd Völcker über die größten Trends der Digitalisierung


Bernd Völcker ist Diplom-Kaufmann der Freien Universität Berlin, hat an der San Francisco State University im Masterprogramm Computer Science studiert und ist geprüfter EDV-Sachverständiger. Der Gründer und Vorstand der Infopark AG engagiert sich in Projekten, die innovative Internet-Technologien mit digitalem Marketing und Geschäftsprozessen verbinden. Er ist bei Infopark für Projekte, Beratung, Marketing und Account Management zuständig und unterstützt Kunden bei der Entwicklung von Web-Strategien und bei der effektiven Umsetzung von Web-Projekten. 

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Einleitend in die Thematik beginnt Bernd Völcker zu beschreiben, wie sich die Rationalisierung der Kommunikationsprozesse, getrieben vom technischen Fortschritt, immer weiter fortsetzt. Er führt fort, dass entlang aller Wertschöpfungsketten, also überall dort wo Informationen über Mittelsmänner ausgetauscht werden, wie Makler, Medien, Handel, Bildung, Politik, Finanzen, die Digitalisierung zunächst in den bestehenden Prozessen stattfindet. Daraus resultiert, dass digitale Prozesse traditionelle Mechanismen ersetzen und zusätzlich neben dieser Straffung neue Möglichkeiten entstehen, wo früher Geografie, Politik oder Zeit als Barrieren für effizientere Wertschöpfung und Kommunikation existierten.

Weiterhin beschreibt Völcker, dass Plattformen wie Airbnb, Uber oder Netflix ihre Kunden und Lieferanten, ohne Mittelsmann und ohne unternehmerische Vorgeschichte, direkt und rein digital miteinander verbinden. Er betont, dass im Internet, wo juristische oder politische Grenzen nur eine untergeordnete Rolle spielen, die Globalität schnell zum neuen Maß aller Dinge geworden ist, da Kunden digitaler Angebote sehr geringe Grenzkosten verursachen. Laut Völcker macht der kreativ-zerstörerische Prozess der Digitalisierung auch vor der Digitalisierung selbst nicht halt. Dies begründet er wie folgt: “Wenn man betrachtet, wie heute Digitalisierung entwickelt und betrieben wird, sieht man, was die Cloud in diesem Bereich alles substituiert. Die eigene ITK oder EDV-Abteilung im traditionellen Verständnis ist nicht mehr notwendig. Während globalen Anbietern IT-Infrastruktur geliefert wird, entstehen neuere Dienste heute auf den höheren Anwendungsebenen, auf Ebene der Geschäftslogik.”

Des Weiteren rät Völcker davon ab für eine Website ein Content Management System zu installieren. Stattdessen empfiehlt er einen SaaS-Dienst in der Cloud zu nutzen, wodurch viel Zeit und Geld gespart wird. Der Infopark Gründer erklärt: “Software zum selber installieren und betreiben, wie wir sie kennen, wird es schon bald nicht mehr geben, denn der Entwicklungsprozess für Software hat sich verändert. Google aktualisiert seine Suchmaschinen-Software im Schnitt mindestens einmal pro Tag.” Dies gilt laut Völcker nicht nur für CMS oder Suche, sondern auch für CRM, ERP oder sogar ganz klassische Office-Anwendungen. Die technische Ebene der Digitalisierung sei mittlerweile bekanntes Terrain.

Ein weiterer Trend auf Völckers Liste: Frameworks – gerade auch aus dem Open Source Bereich – liefern seiner Ansicht nach zusammen mit dem Betrieb in der Cloud einen nie dagewesenen Vorfertigungs- und Reifegrad für die technische Umsetzung der Digitalisierung. Er beschreibt, dass die bisherigen Bemühungen des IT-Betriebs mit Rechenzentrum, nerdy Sysadmins, Festplatten-Crash, Installations-Orgien, SAP-Updates und Windows-Virus sowie die dazugehörigen Aufwände der Vergangenheit angehören, da die Digitalisierung auch in der IT ein Kostenkiller ist. “Die Idee als Unternehmen eigene Dienste als Software as a Service in der Cloud anzubieten, ist dann nur logisch.” stellt Völcker fest. Als paradox empfindet er die Tatsache, dass die erfolgreiche Digitalisierung fast ohne eigene technische Infrastruktur stattfindet. Die Bedeutungslosigkeit physischer Produktionsmittel in der digitalen Welt sei für viele Unternehmen immer noch ein Schock. Zukünftig ginge es nur noch um die abstrakte Beschreibung der eigenen Geschäftsprozesse.

Völcker räumt ein, dass diese Trends in der Praxis häufig noch schwer umsetzbar sind. Klassischen Organisationen fehle nicht selten das Detailwissen, wie sie selbst arbeiten, weil Unternehmen outsourcen, mit Zulieferern und Dienstleistern zusammenarbeiten oder weil Unternehmen schlicht zu groß sind. Er fügt hinzu: “Ich sehe in Gesprächen immer wieder, dass man sich für die erfolgreiche Digitalisierung zuerst um die Kundenbeziehung und die inhaltliche Logik des eigenen Geschäfts kümmern sollte, bevor man anfängt neue digitale Plattformen aufzubauen.” Laut Völcker ist Kundenorientierung ein zeitloser Trend, den man definitiv berücksichtigen sollte, wenn man wirtschaftlich erfolgreich sein will.


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