Das Interview: Matthias Nowak

Online Marketing, POS, Disruptive Technologien, Online Kommunikation und Persönliches

Stefan
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Das Interview: Matthias Nowak, Online Marketing Experte und Konzepter, Pinuts

Matthias Nowak ist Marketing Experte bei Pinuts media+science und verwebt hier verschiedene Disziplinen des Online Marketings zu einem großen Ganzen. Gemeinsam mit seinem Team bleibt er skeptisch vor jedem Hype stehen und schaut erstmal. Meistens geht der Hype dann vorüber und der Blick ist wieder frei.

Was bisher geschah: eCommerce (Content Management, Technische Redaktion, HR, Customer Service, Product Management), Musikindustrie (Online- und TV-Promotion) und Presse. Studium der Philosophie und Kunstgeschichte.


Name: Matthias Nowak

Wohnort: Berlin

Alter: 31

Beruf: !?

Schuhgröße: 1 μ zu groß

Lieblingswort: Onomatopoesie 

Kontakt: matthias.nowak@pinuts.de

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Matthias Nowak

Was sind die derzeit spannendsten Entwicklungen im Internet?

Die Frage nach dem POS

Der POS rückt immer näher an den Kunden heran: Der Kunde soll am besten gleich vom Newsletter in den Warenkorb katapultiert werden. Da der E-Mail-Client mittlerweile die Funktionalität des Browsers übernehmen kann und die Bandbreiten dies auch zulassen, kann man das machen. Die Frage bleibt: Ab wann fühlt sich der Kunde in seiner Wahl bevormundet? Wann wird aus Service Aufdringlichkeit?


Mobile dampft in allen Gassen – und zwar nicht mehr first, sondern fast only.


Rückbesinnung auf klassische Tugenden. 

Mit Storytelling und minimalistischem Webdesign sind inhaltliche Rückbezüge auf die klassische Antike (Homer, Aristoteles, Sophokles) sowie die gestalterische Wiederentdeckung der Neuen Sachlichkeit bzw. des Funktionalismus erkennbar. Auch die entsprechenden Experten werden zur Kredibilitätssteigerung reaktiviert und dürfen per Webinar über die Frankfurter Küche oder die Heldenreise des Odysseus referieren.


Kundenfokus zurückgekehrt

Ausgerechnet Google zwingt Unternehmen, wieder stärker an ihre Kunden zu denken. Waren lange Zeit Ressourcen geblockt, damit die Auffindbarkeit gewährleistet ist und die SERP-Position allen Google-Updates strotzt, ist die Rechnung nun eine andere. Denn aus vormals hinreichenden Bedingungen für gute Rankings (handwerklicher SEO-Expertise) werden nun: notwendige. Klar, die Kundschaft ist größer, vielfältiger und anspruchsvoller und ihr Online-Verhalten liefert einen gewaltigen Datenschatz. SEO-Hygiene wird so schließlich zum Epiphänomen guter UX. Es ist ja nicht so, als wäre der Kunde jemals zu vernachlässigen gewesen. Und doch schien einer Fülle uninspirierter Startups mit ‚O‘-Endung und fragwürdigen Geschäftsmodellen (Hauptsache „es skaliert“) lange Zeit die Befriedigung des Crawlers vor der Befriedigung der Kundenbedürfnisse zu gehen. Das geht vorbei und mit Marktkonsolidierungen einher. Wer da nicht mitspielen will, muss Hüte flechten oder stricken. Ist ja auch schön.


Welche Trends werden maßlos überschätzt?

Künstliche Intelligenz:
Die grassierende AI-Hysterie fußt auf ungültigen Schlüssen, die aus falschen Prämissen gezogen werden. Was für ein unglaublicher Quatsch.

Chat-Bots:
Für einige Unternehmen ein nützlicher erster Filter vor dem Call-Center. Für alle anderen: der teuerste Anrufbeantworter der Welt.

Voice Search:
Wird nicht viel ändern. Aber: Die lustige Autovervollständigung wird mir fehlen. Und den Buzzfeed-Redakteuren bestimmt auch.


3 Quick Wins für Internet-Verantwortliche, die man sofort umsetzen kann.

  • Dem Datenschutzbeauftragten/Unternehmensjurist genau zuhören, wenn es um die DSGVO geht.
  • SEO-Hygiene walten lassen und redaktionellen Content genau prüfen.
  • Dem Kunden möglichst viele verschiedene Kontaktmöglichkeiten anbieten. Ja, auch Fax, wenn das denn den Kunden entspricht.


Deine Lieblingswebsite?


Das letzte Buch das du gelesen hast?

Flake – „Heute hat die Welt Geburtstag“. Der Rammstein-Keyboarder erzählt seine Karriere, in die er scheinbar genauso zufällig hineingestolpert ist, wie seine Bewegungen auf der Bühne für die Zuschauer wirken.

Man begleitet Flake und die Band Rammstein beim Suchen und Finden der Corporate Identity und erlebt einen dank Status-Desinteresse unbestechlichen Musiker, der seinen schulterzuckenden Charme und Sarkasmus über sich selbst und seine Mitmenschen kleckert.


Dein Lieblingstool für deine Arbeit?

Mit einem handelsüblichen Block (Din A4, kariert) und einem ergonomisch geformten Kugelschreiber lässt sich schon viel machen: Artikel vorschreiben, Workflows skizzieren und Wochenpläne erstellen, Layouts entwerfen, etc. Für die Kommunikation mit den anderen empfehle ich einen Computer und ein Smartphone.


Software: Unsere interne Kommunikation und die gemeinsame Projektarbeit mit einer Mischung aus Atlassians Confluence und HipChat und der oben erwähnten Old-School-Hardware.


Für unser E-Mail-Marketing nutzen wir den Universal Messenger, der dank Smart Editor und Einbindung sämtlicher Website-Formulare gleichermaßen komfortabel zu bedienen wie wirkmächtig ist. Mithilfe der Add-Ons Veranstaltungsmanagement und Service Desk laufen Veranstaltungsanmeldungen ebenso wie Supportanfragen quasi automatisiert in die richtigen Kanäle.


Was würdest du sofort ändern, wenn du die Macht dazu hättest?

  • Geld abschaffen
  • Entdeckung der Kernspaltung rückgängig machen
  • Schulniveau deutlich erhöhen
  • Bürger zu Gemeinschaftsarbeit verpflichten (Gehsteig kehren, Erntehilfe, Hausaufgabenbetreuung etc.).


Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch Marketing Manager, oder übernehmen die Bots?

Das wird stark von der Branche abhängig sein. Im Consumer-orientierten Online-Handel wird einerseits das Berufsbild des Marketing Managers nochmals ausdifferenziert, während andererseits die Grenzen zwischen Marketing und Sales – dank Automatisierung, also „Bots“ – weiter zerfließen.

In anderen Bereichen wird der Marketing Manager eher der Generalist sein müssen, der interdisziplinäres Tuch aus den Expertenfäden knüpft.

„Bots“ übernehmen erstmal gar nichts; die Kompetenz der fälschlich KI genannten Datenverknüpfungs- und Mustererkennungsmaschinen wird maßlos überschätzt. Schaumschläger, wer sich dennoch als Experte geriert.

Spätestens wenn alle Recommendation Engines an den Lebensrealitäten der Zielgruppen vorbei-empfehlen, wird der Marketing Manager als interner Berater traurige Wahrheiten über nicht funktionierende Geschäftsmodelle und Märkte verkünden und vor den wütenden Mobs in einsame (Markt-)Nischen flüchten müssen. Dort kann er dann in aller Abgeschiedenheit Hüte flechten und stricken. Ist ja auch schön.


Welcher Persönlichkeit (tot oder lebendig) würdest du gerne einmal begegnen?

Rihanna, Jesus von Nazareth, Richard Feynman, Miley Cyrus. Bestenfalls gleichzeitig. Wilder Abend. Whoop!


Wenn wir dich zuhause besuchen, was würdest du für uns kochen?

  • Entrée: Barszcz Czerwony z ziemniakami
  • Hauptgang: Rehkeule + irgendein herbstlicher Salat (mit gerösteten Kürbiskernen und so)
  • Dessert: Frische Luft vom Balkon, eine Zigarette und Cola mit Zitronenscheibchen und Eis
  • Zwischengänge: Kleine Reibeküchlein mit Schmand, sauer eingelegte Gürkchen, Schnaps


Wann hast du zuletzt etwas Neues ausprobiert und was war das?

Maultaschen selbst gemacht. Mach ich nie wieder.


Was sollte niemand von dir wissen?

Dass ich die gleiche Geschichte irgendwann nochmal erzählen werde. Vielleicht ein bisschen anders. Du wirst es nicht sofort merken. Aber wenn du’s merkst, ist es zu spät. Ich sehe an deiner Mimik, wenn du es merkst. Aber ich rede so lang weiter, bis ich fertig bin und dir wird unangenehm sein, dass du merkst, dass ich merke, dass du mich unterbrechen willst.


Welche Frage hätten wir dir stellen sollen?

„Haben Flugzeuge eine Hupe?“


Dein letztes Wort:

Genau so. Nur anders.